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Mittwoch, 6. Februar 2008

Fortgesetzt...

Sie rannte die schmale Gasse entlang. Links und rechts von hohen, eintönigen Häuserfassaden begrenzt, scheint das Licht nur selten den Weg bis auf den Boden zu finden. Überall bröckelt der Putz von den Wänden und hinterlässt hässliche graue Flecken. In jedem, der hier entlang kommt muss einfach der Eindruck entstehen, man sei in einer trostlosen Gegend gestrandet.

Die schweren Stiefel ihres Verfolgers klatschten mit hoher Frequenz auf die Pfützen, die durch den Dauerregen entstanden waren, der es ihr schon den ganzen Tag vergönnt hatte einen kurzen Blick auf die Sonne zu erhaschen. Zwischenzeitlich schien er gestolpert zu sein, aber sie traute sich nicht sich umzudrehen denn sie musste selbst darauf achten, dass der überall herumliegende Müll sie nicht zu Fall brachte. Rechts von ihr sah sie eine ältere Frau aus einem Fenster im ersten Stock schauen, doch als sie um Hilfe rief verschwand die Frau und der Rolladen wurde laut scheppernd und hastig heruntergelassen. Plötzlich ging alles viel zu schnell. Sie hatte noch nicht mal Zeit um die Hände nach vorne zu reißen um den Sturz abzufangen und schlug mit dem Kopf auf dem harten Beton auf. Noch ehe sie sich mit großem Krafteinsatz umgedreht hatte konnte sie ein tiefes, brüchiges Siegeslachen hören, das von den schweren Regentropfen, die immerwährend auf ihr Gesicht einprasselten, leicht gedämpft wurde. Nun sah sie sich dem Gesicht gegenüber, dass sie heute Morgen in den Nachrichten gesehen hatte und sie seit fast zehn Minuten verfolgte.

Als die alte Frau ein paar Minuten später unten aus der Tür trat um den Müll zu entsorgen stockte ihr der Atem. Sie ließ die Mülltüte fallen, ging zurück ins Haus und verständigte die Polizei. Sie hielt ihr schlechtes Gewissen, dass sie zu erdrücken schien, nicht mehr aus.

Freitag, 1. Februar 2008

Eine Geschichte

Eines Tages brachte er seine müden Kinder zu Bett und erzählte ihnen vor dem Einschlafen eine Geschichte. Er erklärte ihnen, dass man sie so lange erzählen kann wie man will, denn ein Ende gibt es noch nicht...

...Die Geschichte war so komplex, dass er Mühe hatte, an alle wichtigen Punkte und Deitails zu denken, die er nicht vergessen durfte. Da das fast ein Ding der Unmöglichkeit war sprang er aus lauter Euphorie, die er beim Erzählen zeigte, oft zurück oder schon weiter vor, weil er meinte etwas wichtiges vergessen zu haben oder eine Sache aus der Zukunft schon vorher erzählen zu müssen.

Nachdem er nach langer Zeit geendet hatte schauten ihn sein Sohn und seine jüngere Tochter mit großen Augen an und der kleine Junge erklärte ihm: "Wenn ich so alt bin wie du in der Geschichte möchte ich auch solche Freunde haben!" "Das hoffe ich auch...", antwortete er und hielt Blickkontakt zu seinen Kindern. Er wünschte ihnen eine gute Nacht doch seine Kleine unterbrach ihn lächelnd: "Jetzt bin ich aber nicht mehr müde Papa..."